Familie Hien aus Sasserath
Wir sind sechs Leute aus einer Familie, die in Sasserath einen Selbsternte-Garten aufbaut. Eltern, Geschwister, Sohn — plus eine wachsende Runde aus Nachbar:innen, Freund:innen und Helfer:innen aus dem Dorf.

Geco wird von der Familie Hien aufgebaut — Eltern, Geschwister, Sohn, plus eine wachsende Runde von Helfer:innen aus dem Dorf und der Region.
Drei Generationen, sechs Leute. Sigi und Peter, unsere Eltern. Max und Matthias, Brüder, in Sasserath aufgewachsen. Dazu Eva und Josephine. Und Max' siebenjähriger Sohn, der das Qualitätsmanagement übernimmt — sein Urteil über eine reife Tomate ist mittlerweile zuverlässiger als unseres.
Was an Erfahrung in der Familie steckt: Sigi und Peter haben beide Landwirtschaft studiert und darin promoviert. Max hat einige Jahre einen Market-Garden-Betrieb in Sinsheim aufgebaut, den er zusammen mit einem Kollegen weiterführt. Die Selbsternte-Form, die wir hier in Sasserath aufbauen, ist allerdings auch für uns neu — wir lernen das mit den ersten Mitgliedern zusammen.
Dazu eine wachsende Runde von Helfer:innen — Nachbarn, Freunde, Bekannte aus dem Dorf und der Region, die Stunden mitarbeiten. Ohne sie wäre der Aufbau in dieser Geschwindigkeit nicht möglich.
Geld kommt von Leuten aus der Region, die uns kennen — keine Fonds, keine Investoren.


Einige kennen uns vielleicht schon unter einem anderen Namen — LaMa Gartengemüse Eifel. Unter dem hatten wir letztes Jahr eine Webseite und Flyer in der Region verteilt, und es haben sich über zweihundert Leute aus dem Umkreis gemeldet, ohne dass wir große Werbung gemacht hätten. Das war für uns die Antwort auf die Frage, ob in der Eifel ein Bedarf für so etwas existiert. Offensichtlich ja.
Seitdem hat sich beim Konzept einiges weiterentwickelt. Damals haben wir an Gemüsekisten gedacht — also Lieferung. Beim Aufbau in Sasserath ist uns klar geworden, dass uns dabei das Wichtigste fehlt: das Erlebnis am Ort. Der Garten an sich ist zu schön, um ihn nur zu produzieren — wir wollen ihn teilen. Also haben wir auf Selbsternte umgestellt und heißen jetzt Geco.
Wenn du dich von der LaMa-Webseite eingetragen hattest und wissen willst, wie es weitergeht: Wir schreiben dich an. Falls du nichts gehört hast, schreib uns einfach kurz an info@sasserath.geco.eco. Du bist nicht vergessen worden — wir sind nur dabei, die Listen sauber zu übertragen.
Wir wollten einen Ort, der gleichzeitig Arbeitsplatz und Erholung ist.
Das ist im Maschinen-Ackerbau ungewöhnlich, im Market-Gardening dagegen eingebaut: Auf einer kleinen Fläche mit schmalen Beeten, Bäumen und Blumen ist es einfach schön. Wer auf so einer Fläche steht, merkt das nach drei Minuten.
Beim Aufbau haben wir uns dann irgendwann gefragt, warum wir das für uns behalten. Warum Gemüse in Kisten packen und ausliefern, wenn der Ort selbst der eigentliche Wert ist? Also teilen wir ihn — Mitglieder, Garten-Gäste, Familien aus dem Dorf, Leute, die sich nach dem Job für eine Stunde rausstellen wollen.
Dazu kommt das Anliegen mit dem Boden. Was wir machen wollen, ist Boden aufbauen, statt ihn zu verbrauchen. Mehr Humus, mehr Leben, mehr Vielfalt — Jahr für Jahr ein Stück besser. Das ist messbar und nebenbei wirtschaftlich, weil ein lebendiger Boden weniger Eingriffe braucht.
Wir glauben, dass solche Projekte funktionieren können — sozial, ökologisch und wirtschaftlich gleichzeitig. Wer jetzt Mitglied wird, ist im ersten Jahr dabei. Was funktioniert, lernen wir mit den ersten Mitgliedern zusammen.


Drei Anbau-Prinzipien, nach denen wir den Garten aufgebaut haben — und ein paar Dinge drumherum (Bäume, Wasserführung, Tunnel, Kompost), die das Ganze erst zusammenhalten.
Market Gardening ist professioneller Gemüseanbau auf kleiner Fläche — mit Handarbeit, hoher Sortenvielfalt und Direktverkauf. Es ist kein Hobbygarten und keine konventionelle Landwirtschaft, sondern ein eigenständiges Anbaukonzept, das in den letzten zwanzig Jahren international wieder Fahrt aufgenommen hat.
Statt großer Flächen mit Traktoren arbeiten wir auf rund 1.500 Quadratmetern Beetfläche im Freiland plus 600 Quadratmetern Folientunnel mit Handgeräten und bauen rund achtzig verschiedene Sorten an, die direkt an die Leute gehen. Dadurch ist die Produktivität pro Quadratmeter um ein Vielfaches höher als im konventionellen Ackerbau, weil jeder Quadratmeter intensiv genutzt wird, mehrfach pro Jahr bepflanzt werden kann und kein Zwischenhandel die Marge frisst.
Das System läuft auf standardisierten, schmalen Beeten, auf die alle Handgeräte exakt abgestimmt sind. Pendelhacken, Radhacken, Handsaatmaschinen — jedes Werkzeug passt genau auf die Beetbreite. Einen Traktor haben wir auch, der steht aber die meiste Zeit im Schuppen — auf 1.500 Quadratmetern Beet kommen wir mit der Hand und der Pendelhacke aus.
Im Prinzip ist das ein alter Heimgarten, wie es ihn früher in jedem Dorf gab — Vielfalt, viele Sorten direkt für die Leute, wenig Maschine — aber im professionellen Maßstab, mit moderner Beet-Technik und mit einer Anbau-Planung, die den Hof als Betrieb tragen kann.
Gemüseanbau in der Eifel ist eigentlich nicht selbstverständlich. Höhenlage, raues Klima, eher steinige Böden — vieles geht hier nicht so leicht wie im Rheintal oder in der Pfalz. Mit Folientunneln, Kompostwirtschaft, Wasserführung am Hang und der Lage am Südhang funktioniert es trotzdem.


Wir pflügen die Beete im Alltag nicht. Auf den Beeten liegt jedes Jahr eine Schicht Kompost — bei uns zehn bis zwanzig Zentimeter — und die Pflanzen wachsen direkt darin. Die Bodenorganismen ziehen das Material mit der Zeit nach unten ein, und so wird der Boden Jahr für Jahr besser, ohne dass wir ihn umgraben.
Im Boden lebt ein komplexes Ökosystem aus Regenwürmern, Pilznetzwerken, Bakterien und Einzellern. Diese Organismen machen Nährstoffe für die Pflanzen verfügbar, bauen Bodenstruktur auf, schaffen Drainage und Belüftung. Wer pflügt, zerreißt diese Strukturen — und der Boden muss sich jedes Jahr von vorne aufbauen.
Bei No-Dig bleibt das Bodenleben intakt. Über die Jahre wird der Boden messbar besser: lockerer, krümeliger, humusreicher. Mehr Regenwürmer, dunklere Erde, höhere Wasserspeicherfähigkeit, weniger Unkraut, kräftigere Pflanzen.
Für die Eifel besonders sinnvoll, weil die Böden hier eher steinig sind. Mit einer dicken Kompostschicht obendrauf ist fast egal, was darunter liegt.
Agroforst — Bäume und Sträucher rund um die Beete. Rund um die Gemüsereihen stehen Beerensträucher, Nussbäume, Kräuter und Schnittblumen. Das nennt sich Agroforstwirtschaft und ist historisch der Normalzustand — Streuobstwiesen waren jahrhundertelang die Regel. Bäume bringen Windschutz, Schatten, Lebensraum für Nützlinge, Erosionsschutz durch tiefe Wurzeln und nebenbei Ernte: Beeren, Nüsse, Blumen. Bei uns müssen sie noch wachsen — das dauert ein paar Jahre, bis es richtig liefert. Über dem Garten kreist regelmäßig ein Rotmilan, Hasen kommen in der Dämmerung — deshalb umzäunen wir die jüngsten Beete. Bienen sind genug da; die kommen aus der Nachbarschaft.
Wasserführung am Hang. Wir liegen am Südhang, und Hänge haben ein Wasser-Problem: Bei Regen schießt es talwärts, die Kuppen bleiben trocken. Wir haben flache Furchen leicht schräg über den Hang gezogen, sodass das Wasser sanft verteilt wird und Zeit hat, in den Boden einzusickern. Entlang dieser Linien stehen die Agroforst-Bäume — die Wurzeln lockern zusätzlich, das Wasser versickert noch besser. Wichtig in Zeiten, in denen Starkregen häufiger und Trockenphasen länger werden.
Folientunnel. Begehbare Konstruktionen aus Stahlbögen mit UV-Folie — günstige Gewächshäuser im Prinzip. In der Eifel wichtig, weil Tomaten, Paprika und Auberginen draußen schwierig wären; im Tunnel funktionieren sie hervorragend und reifen früher — Ziel ab nächstem Jahr: erste Sommertomaten schon im Mai. Bei uns rund 600 Quadratmeter Tunnelfläche, mit Tröpfchenbewässerung.
Kompost — das wichtigste Werkzeug. Bei No-Dig der wichtigste Input. Wir haben den Kompost größtenteils selbst hergestellt — aus Kuh- und Pferdemist von Landwirten aus dem Dorf, gemischt mit Heu. Mehrere hundert Kubikmeter in den letzten Wochen ausgebracht. Das war eine ganz ordentliche Aktion.

Wir bauen den Garten seit Februar 2026 auf. Vorher war hier eine Wiese, ein Haus, ein Stück Land. Der Hauskauf hatte sich gezogen, deshalb läuft der Aufbau jetzt im Express-Modus.
Im ersten Schritt haben wir den Boden für die Beete einmal komplett umgebrochen. Bei No-Dig macht man das genau einmal — zum Anlegen — und danach nie wieder. Ab dann liegen Mulch und Kompost obendrauf, und der Boden bleibt ungestört. Die Beete sind angelegt, jeder einzelne in der Standardbreite, mit Wegen aus Hackschnitzel zwischen den Reihen. Die Bewässerung ist verlegt — Tropfschläuche im Tunnel, Sprühanlage im Freiland.
Die Folientunnel stehen — rund 600 Quadratmeter, in denen die ersten Tomaten schon wachsen. Die Beetfläche im Freiland kommt auf rund 1.500 Quadratmeter, plus Wege und Grünland — insgesamt etwa 3.000 Quadratmeter Garten. Die Bäume und Sträucher für den Agroforst sind gepflanzt — Beerensträucher, Nussbäume, Schnittblumen-Reihen. Die Furchen für die Wasserführung am Hang sind gezogen. In der Anzuchtstation stehen hunderte Jungpflanzen in den Startlöchern. Mehrere hundert Kubikmeter Kompost haben wir in den letzten Wochen hergestellt und mit dem Trecker auf die Beete gefahren — eine ganz ordentliche Aktion.
Was noch ansteht: ein Kassenhäuschen errichten, Zaun setzen, Wege fertig anlegen, weitere Hecken pflanzen, Beschilderung und Schautafeln. Wenn das alles steht — und das Gemüse soweit ist —, machen wir auf. Wann genau, sagen wir, sobald wir es selbst wissen. Auf einem Garten-Aufbau ist vieles schlecht planbar.
In Zahlen
Bilder vom Aufbau








Saison 2026 ist unser erstes Jahr.
Saison 2026 wollen wir sauber zum Laufen bringen — mit einer ordentlichen Mitgliederzahl und einem Sortiment, das durch die Saison trägt. Im ersten Jahr probieren wir Vieles aus; was funktioniert, lernen wir mit den ersten Mitgliedern zusammen.
Falls Geco wächst, dann an anderen Orten mit anderen Familien — nicht durch Vergrösserung von Sasserath. Wir glauben, dass kleine, den Boden aufbauende Gemüsebetriebe Zukunft haben, überall, wo Menschen, Boden und Bedarf zusammenkommen. Was hier funktioniert, wollen wir dokumentieren und weitergeben.
Mittelfristig in der Eifel: stabile Mitgliederzahl in Sasserath, Erntegemeinschaften aus weiter entfernten Orten, vielleicht ein zweiter Standort in der Region, falls es passt. Hier bleibt es bei einem Garten, einer Familie, einem Maß, das man noch persönlich kennt.
Mit 500 Mitgliedern in Sasserath würden wir niemanden mehr beim Vornamen kennen, und das Projekt wäre nicht mehr das, was es jetzt ist. Wenn andere Höfe daraus Lust kriegen, etwas Ähnliches zu starten — umso besser.
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